Nachhaltiges Tapezieren: Ein gutes Gewand

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Zweifelsohne hat das Thema Gesundheit viele Gesichter. Wohngesundheit ist eines davon. Um diese zu garantieren, gilt es bereits an der Basis, den Wänden, anzufangen und zwar mit unbedenklichen Tapeten. Wie ein gutes Gewand beschaffen sein muss, berichte ich im grünen Printmagazin FOGS.

Gesundheit ist ein hohes Gut. Mit zunehmenden Home Office-Regelungen, gewann das Thema Wohngesundheit in den letzten zwei Jahren an Aufmerksamkeit. Mit regelmäßigem Lüften, einem üppigen Portfolio an Pflanzen oder dem verminderten Einsatz von Plastik im Wohnraum, ist es hier nicht getan. Die Revolution beginnt bereits einen Schritt früher. Nämlich beim Gewand eines Raumes: der Tapete.

Inhalt vor Design

Weil uns die eigenen vier Wände gewissermaßen wie eine zweite Haut umgeben, ist der kritische Blick beim Tapetenkauf in den letzten Jahren strenger geworden. Mittlerweile ist es geradezu selbstverständlich, sich als Verbraucher:in genauestens über ein Produkt zu informieren. Diese Entwicklung beobachtet auch Felicitas Erfurt-Gordon, Geschäftsführerin des Wuppertaler Tapetenherstellers Erfurt & Sohn: „Die Nachfrage nach nachhaltigen Tapeten steigt in den letzten Jahren kontinuierlich. Die Menschen machen sich immer mehr Gedanken zu einer wohngesunden Umgebung und achten beim Kauf auf Umweltsiegel als auch den Einsatz unbedenklicher Rohstoffe.“ Woher stammt ein Produkt? Unter welchen Bedingungen wurde es gefertigt? Und aus welchen Materialien besteht es? Unverzichtbare Fragen für einen bewusst nachhaltigen Konsum. Schönes Design allein ist längst nicht mehr entscheidend, auch nicht bei Tapeten. Aufgeschäumte oder beschichtete Wandverkleidung wie beispielsweise Vinyltapeten bestehen häufig aus Kunststoff und damit aus jeder Menge bedenklichen Inhaltsstoffen, die das Raumklima entsprechend massiv strapazieren. Lösemittel, Schmermetalle, Phtalate – also Weichmacher – oder sogar auch Formaldehyd sorgen permanent für gesundheits- wie auch umweltschädliche Ausdünstungen. Und auch wenn es Grenzwerte für Tapeten gibt, an die sich die meisten Hersteller halten und Produkte anbieten, die deutlich unter diesen liegen, so empfiehlt sich dennoch der Umstieg auf nachhaltige Alternativen.

Alles muss atmen

Im Grunde ist die Formel für ein gesundes Raumklima simpel: Alles, was uns umgibt, muss genau wie wir atmen können. Und weil Tapeten oftmals nicht nur sämtliche Wandflächen, sondern auch Raumdecken zieren, ist es von großer Relevanz, dass die Wandverkleidung offenporig ist. Erst durch diese Eigenschaft kann die Feuchtigkeit im Raum über die Tapete aufgenommen und an den Putzuntergrund weitergegeben werden. Ist der Wandbelag luftdicht, kommt es nicht zur Diffusion und die Nässe bleibt auf der Oberfläche. Das perfekte Fundament also für Bakterien- und Schimmelbildung. Wohngesundheit ade!

Renaissance der Raufaser

In der Vergangenheit oft verachtet, erlebt aktuell die Raufasertapete eine wahre Renaissance. Nicht ohne Grund! Die Ur-Form der Tapete wurde im Jahr 1864 von Hugo Erfurt erfunden und eroberte sukzessive die Wohnräume der Bevölkerung. Heute verfolgt Erfurt & Sohn mehr denn je die Mission, einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur zu pflegen und dafür Energieverbrauch, Emissionen sowie Abfälle bestmöglich zu reduzieren. „Für unsere Tapeten verarbeiten wir überwiegend nachwachsende und recycelte Rohstoffe, vor allem Recycling-Papiere, Holzfasern aus deutscher Fichte von PEFC-zertifizierten Forstunternehmen und zertifizierten Zellstoff. Die klassische Raufasertapete besteht sogar zu 100 % aus Altpapier“, erklärt Erfurt-Gordon. Nachhaltig ist die Raufasertapete aber auch deshalb, weil sie bekanntermaßen immer und immer wieder überstrichen werden kann. So erfolgt zwar ein Tapetenwechsel, allerdings nur auf mentaler und visueller, nicht aber auf realer Ebene. Auch beim wohngesunden Streichen der Raufasertapete weiß die Expertin Rat: „Wir empfehlen, für das Überstreichen, diffusionsfähige Farben zu verwenden. So bleibt der Feuchtigkeitsaustausch erhalten und trägt zu einem positiven Raumklima bei.“

Andere Wände, andere Tapeten

Neben der allseits bekannten Raufaser gibt es noch weitere Tapeten für ein nachhaltiges Raumgewand. So zum Beispiel die Papiertapete, die in der Regel aus mehreren Lagen besteht und sogar bedruckt werden kann. Über eine deutlich bessere Ökobilanz verfügt allerdings die einschichtige, unbedruckte Variante, die frei von Kunststoffbeschichtungen ist. Denn Verarbeitungen beeinträchtigen unnötig die Diffusionsfähigkeit des Materials und damit auch die Qualität des Raumklimas. Besonders leicht lassen sich Vliestapeten an die Wand bringen. Statt wie üblich erst die Bahn einzustreichen, erfolgt die Reihenfolge hier umgekehrt: Nachdem die Wand eingekleistert wurde, kommt die Tapete an die Wand. Auf diese Weise entfällt minutenlanges Einweichen im Vorhinein. Außerdem lassen sich Decken so bedeutend einfacher tapezieren. Vliestapeten sind atmungsaktiv, offenporig und feuchtigkeitsregulierend, weshalb sie optimale Bedingungen für ein gesundes Raumklima schaffen. Als Basis dienen natürliche Bestandteile wie Textil- und Zellulosefasern, bestenfalls in recycelter, holzfreier Qualität.

Liquide Mittel einsetzen

Noch nicht allzu lange auf dem Markt sind sogenannte Flüssigtapeten. Diese gelten als wärmedämmend, feuchtigskeitsregulierend sowie schallabsorbierend. Und weil diese Tapetenart aus unbehandelten Naturmaterialien wie Baumwolle, aber auch Jute, Seide oder Flachs besteht, ist sie auch bekannt als Faser- oder Baumwollputz. Als Bindemittel dienen Naturharze und Zellulose. Die pulverisierte Konsistenz wird unter Hinzugabe von Wasser zur cremigen Masse. Zwar ist eine Tapete in liquider Form eher ungewöhnlich, dafür aber geradezu optimal bei unebenen oder verkratzten Wänden. Steht ein Umzug oder eine Renovierung ins Haus, ist die Flüssigtapete wieder von der Wand entfern- und erneut verwendbar. Recycling at it's very best! Auf dem Tapetenmarkt gibt es außerdem noch sogenannte Naturtapeten, die aus Holz-, Gras- oder Korkfasern bestehen. Genau wie Raufaser- oder Papiertapeten sollten diese idealerweise mit Methylzelluloseleim verklebt werden. Tapeten aus Grasfasern können bei Allergikern allerdings Heuschnupfen hervorrufen. Auf stark texturierten Oberflächen setzt sich zudem Staub gut ab, was ebenfalls zu allergischen Reaktionen führen kann. Heutzutage gilt es vor einer Renovierung also einiges zu beachten, doch wenn sich für die eigene (Wohn)Gesundheit kein Umdenken lohnt, wofür dann?

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