Hauptsache Humor

No°22

onoffodett.de artcanbreakyourheart Porträt meter magazin

Credit: meter/artcanbreakyourheart

Dass Möbel zum Schmunzeln bringen können, ist in puncto Funktionalität nicht unbedingt deren Kernkompetenz. Sascha Grewe, Gründer des deutschen Labels artcanbreakyourheart, sieht das anders: Mit seinen Kreationen – von Brüsten bis Tukan – will er zu mehr Positivität in der Welt beitragen. Für das meter Magazin durfte ich in seinen Kopf voller witzig-wilder Entwürfe hineinschauen. Ein Portrait.

In aller Regel werden Möbel über Form und Funktion definiert. Nicht so bei Sascha Grewe: Er fügt seinen Designs noch eine grosszügige Prise Humor hinzu. Und so zaubern die ungewöhnlichen Motive von artcanbreakyourheart im gut gelaunten Gewand poppiger Farben schnell ein Grinsen herbei. «Es mag naiv klingen, aber ich möchte mit meinen Möbeln lediglich für eine positive Grundstimmung sorgen.» Der Plan ist aufgegangen: Am Boden tummeln sich wilde Krokodile und Nilpferde, aber auch brave Dackel – allesamt Bänke. Neben einem Tukan (Hocker) fliegen ebenso Küsse (Couchtisch) und Schleifen (Wandobjekt) durch den Raum. Und für einen Hauch Provokation greift man einfach zu Beistelltisch «Boobs». «Ich hatte nie vor, demokratisches oder avantgardistisches Möbeldesign zu entwerfen oder eine Gesellschaftskritik durch meine Produkte zu äussern», sagt Grewe über seine Kreationen.

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Credit: meter/artcanbreakyourheart

Bereits mit acht Jahren entwirft er sein erstes Möbelstück: ein weiss lackiertes Holzschränkchen, das in seiner Form einem Mini-Safe ähnelt. Grewe hat es noch heute und noch immer funktioniere es tadellos. Schon damals sei für ihn klar gewesen, dass er später mal mit Holz arbeiten will. Nur wenig verwunderlich also, dass er einige Jahre später eine Tischlerlehre beginnt und schliesslich noch Innenarchitektur studiert. Damit war die Rampe zum freischaffenden Möbeldesigner mit eigenem Label gebaut.

Von Joseph Beuys inspiriert

Ungewöhnlich auch der Name des kleinen Unternehmens aus Bielefeld: artcanbreakyourheart. Vor allem ungewöhnlich lang für eine Möbelbrand. Vielleicht aber auch deswegen genauso besonders wie die Designs. Angelehnt ist der Titel an die Philosophie des deutschen Künstlers Joseph Beuys. Kreativität sei – anstelle von Geld – das wahre Kapital des Menschen. Mehr noch könne der schöpferische Prozess das Herz berühren. Ein Credo, das Grewe aus der Seele sprach.

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Angefangen hat alles mit den Buchstabenhockern, mit denen Grewe auf dem DMY Festival in Berlin debütierte und direkt eine weltweite Nachfrage auslöste. Problem war nur, dass seine Produktion mit diesem Kickstart nicht gleich mithalten konnte. Mit der Zeit reifte sie jedoch weiter aus und es kamen immer mehr Objekte hinzu. Einiges davon waren Eigenkreationen, anderes wiederum ist in Kooperation mit Grafikdesigner:innen wie Red Fries entstanden. Gemeinsam entwickelte man die «Lips», einen zuckersüssen Kussmund in Form eines Couchtischs. Und mit Influencerin Carmushka kam es zu Produkt «Bow». Meist entstünden derartige Zusammenarbeiten spontan, so will es die gelassene Natur von Sascha Grewe. «Ich hatte noch nie einen Businessplan und werde auch nie einen haben. Oft gibt es einen Need, man wirft sich verbal ein paar Bälle zu und schon rollen einem die Ideen entgegen.»

Keiner muss einsam sein

Eine seiner Produktideen wurde aber auch aus purem «Mitgefühl» geboren: «Ich wollte nicht, dass sich der Dackel so alleine fühlt und habe überlegt, welches Tier ich noch spannend finde.» Und so stiess das ikonische Krokodil zum Portfolio hinzu. Dieses ist mittlerweile neben den «Boobs» einer der Topseller und soll es schon bald aus poliertem Edelstahl geben. Die Basis aller Produkte bildet dabei MDF-Holz; Kleinteile wie Augen und Zähne sind aus Massivholz. Lediglich die Buchstaben, ebenfalls ein Bestseller, können zudem aus Beton oder Stahl sein. Neben einzelnen Zeichen werden gerne auch ganze Kombinationen bestellt. Und was sind die beliebtesten Wörter? …

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